Van Gennep, Arnold - Referat
Arnold Van Gennep
Arnold Van Gennep wurde am 23. April 1873 in Ludwigsburg (Deutschland) geboren. Er hatte französische, deutsche und holländische Vorfahren.
Van Gennep befasste sich in der ersten Hälfte seiner Schaffensperiode vor allem mit außereuropäischen Kulturen. Zu den Arbeiten dieser Zeit gehören:
- Tabou et totémisme à Madagascar (1904)
- Mythes et légendes d’Australie (1906)
- Les rites de pasage (1909)
- Les semi-savants (1911)
Er war ein Zeitgenosse von Marcel Mauss, dem Neffen von Émile Durkheim.
Durch Émile Durkheim und seine Schule wurden seine Erkenntnisse nicht anerkannt, weil Van Gennep in seinem Werk über den Totemismus Durkheim’s Theorie kritisiert, dass alle Clans ein Totem, nach dem die Heirat geregelt wird. Außerdem kritisierte er Durkheim wegen seiner Ansicht, nach der Aborigines einfach und primitiv auf Grund ihrer Technik sind.
Seine einzige akademische Lehrtätigkeit begann er 1912 in der Schweiz und wurde dort der Inhaber des Lehrstuhles für Ethnographie.
Er blieb 3 Jahre lang in der Schweiz und sollte dort während des Krieges Verleumdungen gegen die Neutralität erforschen.
Er machte weitere Feldforschungen in Europa für die er viele Sprachen und Dialekte lernte.(er war also im Gegensatz zu Durkheim also kein „armchair anthropologist“)
Nach 1924 konzentrierte er sich dann auf Frankreich und schrieb das Werk:
„Manuel d’ethnogrphie français eontemporain. Dieses Werk war ein Mix aus altertümlicher Folklore im klassischen Stil mit Theorien und der ganzheitlichen Anthropologie Frankreichs mit Bezug auf den 2. Weltkrieg.
Beide Disziplinen, die Französische Volkskunde und die Ethnologie gehörten für ihn zusammen, da sie das Studium lebendiger kollektiver Fakten betreffen.
Arnold Van Gennep starb in Bourg-la-Reine in Frankreich 1957.
Sein wichtigstes Werk:
"Les rites de pasages":
Van Gennep beschreibt, wie bei unterschiedlichen Völkern das Problem der Grenzüberschreitung, das die Dynamik des sozialen Lebens begleitet, durch die Herausbildung von Ritualen bewältigt worden ist. Beispiele für solche Grenzüberschreitung sind Orts-, Status-, Berufswechsel, sowie Erwachsenwerden, Mutter/Vater werden, Altern, Geburt und Tod.
Es kommt also etwas Neues, etwas Unbekanntes und Rituale sollen Sicherheit geben.
Diese Rituale bezeichnet er als „Übergansriten“.
Rituale durchlaufen immer 3 Phasen.
1. Phase: den alten Zustand verlassen
2. Phase: ist eine Phase zwischen dem Alten und dem Neuen
3. Phase: in die neue Phase eintauchen.
Van Gennep beschäftigte sich genau mit der 2. Phase, die sich zwischen dem Alten und dem Neuen befindet.
Oft werden zur Absonderung des Alten und des Neuen bewusstseinsverändernde Pflanzen eingenommen. Es ist alles anders als der Alltag.
Diese Rituale haben immer eine Doppelfunktion:
Einerseits können die Verhältnisse stabilisiert werden, andererseits können dadurch Verhältnisse potentiell hinterfragt werden.
Van Gennep legt dieses 3-Phasen Model auf jedes Ritual um, egal in welcher Kultur und unter welchem Umstand das Ritual auftritt. Es ist also ein Struktur Modell genauso wie ein Prozess-Modell.
Van Gennep’s Werk über die Riten stieß in Frankreich auf überwiegend negative Resonanz. Marcel Mauss zweifelte an dem theoretischen Erkenntnisgewinn der Arbeit. Er meinte es sei eine „Binsenweisheit“, dass ein Ritus immer einen Übergang impliziere.
Bekannt wurde das Buch besonders durch seine Übersetzung ins Englische 1960 (also nach seinem Tod)
Vor allem dem britischen Strukturfunktionalismus nahe stehenden Forschern wie Max Gluckmann griffen seine Gedanken auf und beschäftigte sich mit den sozialen Funktionen von Ritualen. Seine Bekanntheit verdankt die Arbeit auch dem Werk von Victor Turner und dessen Rezeption, in der er vom Dreiphasenmodell ausgeht.

0 Comments:
Post a Comment
<< Home